Karneval in Kölner Sälen

Wo sind die Frauen?

Auftakt

Weil die Session diesmal so kurz ist, starteten die traditionellen Sitzungen diesmal zeitgleich mit der Prinzenproklamation. Angesichts eines großen karnevalistischen Personals kein Problem, die Säle voll und das Programm attraktiv zu gestalten. Und die Spitzenkräfte sind es seit je gewohnt, in Windeseile die Auftrittsorte zu wechseln. Los geht es sowieso immer mit dem Aufmarsch hunderter Männer des jeweiligen Traditionscorps, dessen Verein die Sitzung ausrichtet oder das an diesem Abend keine eigene Sitzung hat. Bei der CDU-Sitzung im Maritim bestritten die Roten Funken die erste Dreiviertelstunde des Programms, wobei schon fast die Hälfte des Auftritts Ein- und Ausmarsch der etwa 250 Männer und einer Frau einnehmen.

Apropos Frauen: Wo sind sie? Außer bei den Tanzcorps, in denen man nicht auf sie verzichten kann, und der Partnerin des Tanzoffiziers bei den Traditionscorps – genannt Funkenmariechen – Fehlanzeige. Dabei gibt es durchaus weibliche Spitzenkräfte, die man aber vor allem bei den alternativen Sitzungen erleben kann. Abgesehen vom Tanzcorps „Pink Poms“ ist „Deine Sitzung“ mit Präsidentin Carolin Kebekus auch in Sachen Quote ein Vorbild. Die hier nun schon im zweiten Jahr auftretenden Rockemariechen machen ihrem Namen alle Ehre und haben bereits beim Höhner-Konzert in der Lanxess-Arena bewiesen, dass sie selbst größere Säle zum Kochen bringen. Sowohl musikalisch als auch textlich sind sie den bekannten Männer-Bands allemal ebenbürtig.

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Foto: Felix Mayr

Am Tag 8 nach den Ausschreitungen am Silvesterabend bemerkenswert, dass die Bläck Fööss ihr Programm bewusst mit dem „Stammbaum“ beginnen. Hatte doch die von Erry Stoklosa angestoßene Diskussion zu diesem Lied noch vor einem Vierteljahr für Aufregung gesorgt.

Ohrwürmer konnte ich unter den neuen Sessionshits noch nicht ausmachen, aber vielleicht hat „Leev Marie“ von den Paveiern das Zeug dazu. Bereitwillig übt das jeweilige Publikum unter Anleitung von Frontmann Sven Welter den Refrain: “Leev Marie, ich bin kein Mann für eine Nacht, leev Marie, das habe ich noch nie gemacht. Es muss die wahre Liebe sein. Für eine Nacht bleib ich lieber allein.”

Die Session ist extrem kurz. Mit dem Besuch einer oder mehrerer Sitzungen sollte man also nicht zögern. Zwar sind die meisten ausverkauft, aber einige Restkarten gibt es für Kurzentschlossene meistens doch noch.

 

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Rheinlandtaler an Pantheon

Ohne Umsatz kein Vereinslokal

 

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Über den Rheinlandtaler für das Pantheon Theater freuen sich (v.l.) Günter Horn, Vorsitzender des Kulturförderkreises Pantheon e.V., und Theaterchef Rainer Pause. Die Auszeichnung überbrachte der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland,  Jürgen Wilhelm                                                                                                   Foto: LVR

Noch nie in seiner 40-jährigen Geschichte ist der Rheinlandtaler, die höchste Auszeichnung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) für Kulturschaffende, einem Theater verliehen worden. Aber heute war es soweit. Professor Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, bezeichnete in seiner Laudatio das 1987 gegründete Pantheon als „Sprachrohr der satirischen Opposition schlechthin“ und hob seine Verdienste um „die Definition, Schärfung und Vermittlung rheinischen Wesens, rheinischer Lebensart und rheinischer Identität“ hervor. „Ein Rheinland ohne das Pantheon ist undenkbar, ein Bonn ohne Pantheon erst recht“, sagte Wilhelm. Das scheint die Bonner Stadtspitze anders zu sehen, denn im Gegensatz zu den angrenzenden Landkreisen hatte sie keinen Repräsentanten zu dieser Preisverleihung entsandt.

Wie zuvor der Vorsitzende des Kulturförderkreises Pantheon e.V., Professor Dr. Heinz Günter Horn, ging auch der Laudator auf das Ende des Pantheon-Domizils am Bundeskanzlerplatz im Laufe des Jahres 2016 und die schwierige Suche nach einer neuen Spielstätte ein. Die plastischste Schilderung dieser Verwaltungsposse lieferte jedoch Rainer Pause – nicht als Chef und Gründer des Pantheon Theaters, sondern als Alterspräsident des fiktiven Heimatvereins Rhenania. Unter der launigen Überschrift „Ohne Umsatz kein Vereinslokal“ schilderte er die Suche nach einem neuen Standort und zeigte sich verwundert über die ablehnende Begründung im Beethoven-Forum, das kabarettistische Wirken dort werde als „Behinderung der Entwicklung der klassischen Musik in Bonn“ gesehen. Nun also der schmerzliche Schritt über den Rhein nach Beuel in die Backsteinhalle. Symbolisch reichte Litzmann der einzigen Beuelerin im Saal, die sich als solche zu erkennen gegeben hatte, die Hand. Eine überraschende Geste für jemanden, der bislang „bestenfalls zum Sterben“ auf das andere Rheinufer übersiedeln wollte.

Die launige Rheinlandtaler-Verleihung, eingebettet in den Neujahrsempfang des Kulturförderkreises, endete versöhnlich mit der Europa-Hymne, in deren Vortrag Norbert Alich, Stephan Ohm und Rainer Pause – rappend! – ihr ganzes bewährtes Können legten.