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Krakauer Impressionen

10. Juni

Die Pressereise nach Krakau begann in Katowice. Kölns Partnerstadt ist voller Gegensätze. Die Bausünden der Vergangenheit sind noch nicht getilgt. Neben schönen, restaurierten Backstein- und Jugendstilfassaden stehen Plattenbauten, die man dem Verfall preisgibt. Gegensätzliches auch beim EinKaufen: Hier das moderne Shopping-Center, dort traditionelle Fischräuchereien unter freiem Himmel.

Wie anders ist es doch in Krakau! Die Stadt umfing uns sofort mit ihrem Charme. Erste Anlaufstelle war natürlich der Rynek mit der Tuchhalle.

 

Den ersten Abend verbrachten wir im “Morskie Oko”, einem zünftigen Lokal, das wir ohne Insidertipp polnischer Freunde sicher nicht entdeckt hätten.

Der Tisch direkt bei der Musikgruppe machte zwar Gespräche anstrengend, dafür waren aber das Essen und der Service super – die Stimmung auch.

11. Juni

Ein intensiver Besichtigungstag:

Den Vormittag verbrachten wir unter der Erde. Unter Tuchhalle und Marktplatz taucht man in das mittelalterliche Krakau ab. Die Geschichte der Stadt ist hier am Originalschauplatz multimedial aufgearbeitet, beeindruckend.

Von ganz unten ging es am Nachmittag zügig nach ganz oben. Vom Wawel hat man nicht nur einen herrlichen Blick auf die Stadt, man kann ihn natürlich auch besichtigen.

Wir hatten eine private Führung gebucht. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele wertvolle Gemälde und Wandteppiche gesehen. Wir verdanken sie König Sigismund, der die riesigen Gobelins im 16. Jahrhundert sammelte und sie in Brügge anfertigen ließ.

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Höhepunkt der Führung: Die Dame mit dem Hermelin. So nah wie auf diesem Foto kommt man dem kleinen Gemälde von Leonardo da Vinci jedoch nicht. Es hängt einsam in einer Kammer, bewacht von einem bis an die Zähne bewaffneten Sicherheitsbeamten.

Am Abend fuhren wir in einen Randbezirk, wo wir in dieser Kirche einem Orgelkonzert mit Werken von Bach, Blow, Frescobaldi und Widor lauschten.

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Zwei eingängige Stücke für  Soloflöte und Streicher  von Vivaldi (Die Nacht) und Tadeusz Baird (Colas Breugnon: eine Suite im alten Stil, 1951) rundeten den Kulturtag ab.

Koscheres Abendessen im Klezmer Hois im Ortsteil Kazimierz.

12. Juni

Unser Navi kannte es noch nicht. Wir mussten erst Passanten fragen, wo sich das Manggha-Museum befindet. Es schmiegt sich ans andere Weichselufer, direkt gegenüber vom Wawel. Dort ist noch bis zum 14. August die Ausstellung “Misy” (Bowls) von Young Jae Lee zu sehen. Für uns ein Muss, denn das Atelier der koreanischen Keramikerin befindet sich in Essen und ist Mitglied in der Handwerkskammer Düsseldorf.

Wir hatten Gelegenheit, mit Kuratorin Anna Król über die Ausstellung und das Museum zu sprechen.

Der Nachmittag brachte einen weiteren Höhepunkt:

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In der ehemaligen Fabrik von Otto Schindler ist ein eindrucksvolles Museum untergebracht, das seinen Namen trägt und die Zeit der Naziherrschaft von 1939 bis 1945 dokumentiert.

Den Tag beschlossen wir mit einem musikalischen Highlight: In der Oper wurde “Tannhäuser” gegeben. Herrliche Stimmen, aber man musste ganz genau hinhören, um die Texte als deutsch zu erkennen. Die polnischen Untertitel halfen nicht weiter. Zum Glück ist die Handlung bekannt.

13. Juni

Bevor alle noch einmal auf eigene Faust loszogen, besichtigten wir den Veit-Stoß-Hochaltar in der Marienkirche am Rynek.

Zwölf Jahre (von 1477 bis 1489) brauchte der Bildhauer , um das Pentaptychon zu erschaffen.

Ein letztes gemeinsames Abendessen und ein paar Wodkas im jüdischen Viertel beschlossen die Reise, bevor es am nächsten Tag wieder von verschiedenen Flughäfen (Krakau und Kattowitz) nach Hause ging.

Fotos: Basdorf (10), Polska Organizacja Turystyczna (6), Kościół Miłosierdzia Bożego (1)

 

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