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Warschau im Schnelldurchgang

Ein kurzes, aber randvolles Wochenende verbrachte eine Gruppe von (Handwerks-)Journalisten in Warschau. Für die meisten war es der erste Besuch in der Stadt, deshalb war die dreistündige Wanderung auf dem “Königsweg” ein Muss.

Neben der Geschichte spielte für uns natürlich auch die Politik eine Rolle. Unsere Gesprächspartnerinnen Monika und Agnes sprachen sowohl die aktuellen Entwicklungen an als auch deren Parallelen zu längst überwunden geglaubten historischen Vorbildern.

Warschau ist ein Hort der Geschichte und Architektur. Der Kulturpalast ist das Wahrzeichen der Stadt und mit 237 Metern Polens höchstes Gebäude. Er wurde in nur drei Jahren (1952 bis 1955) gebaut und war ein Geschenk der Sowjetunion. Von seiner Aussichtsplattform genießt man einen herrlichen Rundblick über die Stadt, und die Hochhäuser des Bankenviertels wirken viel kleiner, als sie von der Straße aus betrachtet scheinen. Das moderne Wahrzeichen der Stadt steht auf der anderen Seite der Weichsel: das Nationalstadion. Es wurde zur Fußball-Europameisterschaft 2012 errichtet und wird heute als Zentrum für sportliche Freizeitangebote genutzt.

Nicht nur architektonisch, vielmehr auch der Aufbereitung seines Inhalts wegen, ist der Besuch im POLIN ein Muss. Das Museum der Geschichte der polnischen Juden ist erst 2015 fertiggestellt und jüngst mit dem Award “Bestes Museum der Welt 2016” ausgezeichnet worden. Es hat seinen Platz genau dort gefunden, wo einst das grausamste Kapitel der jüdischen Geschichte in Warschau geschrieben wurde, gegenüber dem Denkmal der Helden des Ghettos. Hier streift uns auch die deutsche Ostpolitik. Eine Bronzetafel am Denkmal erinnert an Willy Brandts Kniefall am 7. Dezember 1970.

Nicht nur im Sommer spielt Chopin in Warschau eine große Rolle. Einige seiner bekanntesten Stücke erklingen auf Knopfdruck aus Marmorbänken , die in der Stadt verteilt sind. Und jeden Abend gibt es mindestens ein Chopin-Konzert in der Stadt. Wir waren im Schloss, wo die Jungpianistin Katarzyna Kzaszewska innerhalb von 60 Minuten durch elf Stücke fegte. Auf dem Rynek erklang hingegen Popmusik der 70er Jahre: Es spielten die “Rolling Stones”, allerdings fest angeleint.

Kulinarisch kommt man in Warschau natürlich auch auf seine Kosten, da muss man nicht lange suchen. Einige von uns verbrachten ihre Freizeit gerne mit einer heißen Schokolade im Café Wedel. Auch die Pieroggen fanden Zuspruch. Mein persönliches Highlight: Fidel’s Star im Restaurant “Pod Czerwonym Wiprzim”. Für das berühmte Café Blikle und einen Besuch bei der Sterneköchin Magda Gessler reichte diesmal die Zeit nicht. Aber für den letzten Wodka des Tages in der Hotelbar des “Polonia Palace” immer.

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Fotos: Hans-Jürgen Basdorf, Christoph Lütgert, Ute Maciejok, Beate Schmies, Andrea Wolter
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