Ein Ort, zwei Künstler

Das Essener Museum Folkwang ist immer einen Besuch wert, zurzeit gleich doppelt. Würden diese beiden Künstler sich mögen, wenn ihre Schaffensperiode gleichzeitig stattfände? Diese Frage habe ich mir heute beim Besuch des Hauses gestellt.

Seit heute wird im Museum Folkwang Edvard Munchs Gemälde „Die Mädchen auf der Brücke“ gezeigt. Die Leihgabe aus dem Munch Museum in Oslo steht im Zentrum der Kabinett-Ausstellung „Edvard Munch. Sehnsucht und Erwartung“. Gezeigt wird das Werk gemeinsam mit drei Gemälden sowie einer Auswahl von 17 grafischen Arbeiten Munchs aus der Sammlung des Museum Folkwang. Für die Sammlungspräsentation wurden Werke ausgewählt, die unterschiedliche seelische Empfindungen thematisieren.

MFolkwang_Edvard_Munch_Die_Maedchen_auf_der_Bruecke_1927_OSLO_150

Munch widmete sich wie kein zweiter Künstler seiner Zeit den Nöten und Sehnsüchten, Sorgen und Erwartungen des Menschen. Die ausgestellten Werke zeigen einsame Menschen, die des Nachts in ihrem Zimmer wachen oder melancholisch am Meeresufer sitzen. Andere Arbeiten stellen Paare dar, die sich endlich gefunden haben. Das Gemälde „Die Mädchen auf der Brücke“ entstand 1927 und zeigt drei wartende Mädchen auf dem Landungssteg des Badeorts Åsgårdstrand am Oslofjord. Es ist bis zum 22. April zu Gast in Essen.

Provozierende Aussagen

Als Edvard Munch starb, war Klaus Staeck sechs Jahre alt, und eine Karriere als Künstler lag noch in weiter Ferne. Zunächst wohl auch außerhalb seiner Lebensplanung, denn der 1938 in Pulsnitz bei Dresden geborene politische Aktivist schloss zunächst ein Jurastudium in Heidelberg ab. Das Museum Folkwang würdigt ihn im Jahr seines 80. Geburtstags mit einer seiner größten Einzelausstellungen überhaupt.

Die Ausstellung „Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe“ zeigt rund 200 der bekanntesten Plakate, Postkarten und Multiples und gibt erstmals einen umfangreichen Überblick über die frühe Druckgrafik des Plakatgestalters.

Staecks Kunst ist seit den 1960er Jahren nicht vom aktuellen Zeitgeschehen zu trennen und ist Ausdrucksform seiner politischen Ansichten. Mit fast jedem Entwurf enthüllt Staeck einen Missstand und regt damit zum Nachdenken über Gesellschaft, Kunst und Politik an. Mit seinen Plakaten hat Klaus Staeck eine Wirkung erzielt wie kaum ein anderer vor ihm. Seine Art der Satire brachte ihm bis heute 41 Gerichtsprozesse ein, von denen er keinen verlor.

Klaus Staecks mehr als fünf Jahrzehnte umfassendes Werk gibt Einblicke in den technischen Entwicklungsprozess der Plakatproduktion im vordigitalen Zeitalter. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Staecks Abkehr von der künstlerischen Auseinandersetzung mit Druckgrafik und seiner Hinwendung zum Plakat. „Sand fürs Getriebe“ wird noch bis zum 8. April gezeigt.

Fotos (2): Museum Folkwang

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